02 Dez. 5 Fragen an Björn Möller und Sven Zimmermann, die Gründer der „Backstreet Bar, Alright!“
Die Startup- und Unternehmer-Szene hat einiges zu bieten neben innovativen Startups, kreativen Coworking Spaces, auch Acceleratoren und spannende Unternehmerpersönlichkeiten. Damit ihr einen kleinen Einblick bekommt, was und wen es alles gibt, stellen wir euch immer wieder coole Persönlichkeiten aus der Szene vor. Dieses Mal haben wir die Gründer der Frankfurter Retro-Bar eingeladen:
DAS INTERVIEW/
Hallo, schön, dass Ihr die Zeit gefunden habt für ein Interview. Zuallererst stellt Euch einfach kurz vor, wer seid Ihr und was macht Ihr?
Wie kam Euch die Idee zur „Backstreet Bar, Alright!“? Das Konzept ist ja doch etwas Besonderes, denn in Frankfurt gibt es einen solchen Ort bisher ja noch nicht.
Sven: Björn wollte schon immer einen eigenen Flipperautomaten haben. Bisher hat er diese immer nur in den vereinzelten Kneipen gespielt, die Anschaffung ist aber erst mal angsteinflößend, wenn man sich nicht in der Verkaufswelt auskennt. Außerdem sind die Einstiegshürden groß. Auf dem Heinerfest in Darmstadt habe ich Björn dann aber ermutigt, den Sprung zu machen.
Björn: Als das Gerät dann kam, war auch Sven begeistert, nicht viel später kam sein erster Flipper, gleichzeitig mein zweiter. Flipper sind Rudeltiere. Das Thema wurde zur Obsession. Wir stellten auch fest, wie sehr diese Geräte für Bars gemacht wurden und wir keinen Platz mehr in unseren Wohnungen hatten.
Bei einem Bier kam dann die Idee: Wir machen eine Bar auf. Wir holen Arcadekultur nach Frankfurt. Inspiriert von einem Konzept aus Köln, der Red Fox Bar, spitzten wir die Idee weiter zu: Wir nutzen die 90er Bar als Zugang, um die Geräte einem Publikum zugänglich zu machen. Bei uns muss man keinen Ausflug planen oder Eintritt zahlen, um ein Stück (Video-)Spielgeschichte erleben zu können. Wir wollen Menschen gerecht werden, daher ist – wir sind schließlich Sozialarbeiter – Barrierefreiheit für uns selbstverständlich.
Schnell war klar, dass dieses Konzept etwas Besonderes ist. Etwas, das es in dieser Kombination noch nicht gegeben hat. Ein besonderes Erlebnis und ein Ort für alle. Denn das sollte unsere Bar werden; ein Ort, an dem alle Menschen zusammen kommen können. Um einen schönen Abend zu verbringen. Um ins Gespräch zu kommen. Alle Menschen mit all ihren Bedürfnissen und Besonderheiten.
Ihr habt die Retro-Bar mit einem Crowdfunding finanziert und Eure Crowdfunding-Kampagne war ein voller Erfolg. Die Suche nach einer geeigneten Fläche hat allerdings etwas gedauert. Wie habt Ihr es geschafft, so viele Menschen für Eure
Idee zu begeistern? Worauf habt Ihr besonders viel Wert gelegt?
Sven: Das Thema Social Media war von Anfang an zentral. Wir haben unser Projekt von Beginn an medial begleitet und auch Freunde und Familie frühzeitig eingeladen, uns zu unterstützen. Unser Ansatz war es, mit einem gewissen Humor, aber auch offen und ehrlich an das Thema zu gehen. Wir haben viele Videos mit humorvollen Inhalten gedreht. Wir haben immer kommuniziert, an welchem Punkt wir gerade sind, welche Hilfe wir aktuell brauchen und was genau mit den Mitteln geschehen soll, die wir über das Crowdfunding erhalten haben. Unsere Videos haben immer auch kleine Geschichten erzählt. Und wir haben Dinge angesprochen, an die sich Menschen erinnert haben. So etwa der Nintendo 64, den viele noch aus ihrer Kindheit kennen.
Björn: Das ist überhaupt ein wichtiger Punkt, glauben wir: Die Backstreet Bar, Alright! holt Nostalgie hervor. Während unserer Umbauarbeiten kamen ständig interessierte Nachbarn und fragten: „Habt ihr auch XY von früher?“. Da sagen zu können: „Ja, haben wir“ löst viel Freude aus. Da ist es egal, ob es um unsere Flipper- und Arcadeautomaten geht oder um die Gemischte Tüte, die wir zum Snacken anbieten. Durch den einfachen Zugang bedienen wir Menschen, die aus Nostalgie kommen sowie diejenigen, die etwas neues Probieren wollen. Wir glauben, dass das ein großer Pull dafür ist. In Deutschland gab es diese Spielekultur nur sehr begrenzt und erlebt nun einen kleinen Boom. Und wir glauben, dass der barrierefreie Ansatz ganz wichtig für den Erfolg des Crowdfunding war. Wir arbeiten im sozialen Bereich und bekommen täglich mit, welche Hürden Menschen bewältigen müssen, aber auch, wie wenig Menschen über diese Bescheid wissen. Daher wollen wir auch unsichtbare Barrieren – wie etwa eine schwer verständliche Karte – ins Auge fassen und diese minimieren. Wir glauben, dass das viele Menschen anspricht, weil diese selten Beachtung finden. Damit setzen wir ein Zeichen, dass Barrierefreiheit auch weitergedacht werden kann als der rollstuhlgerechte Eingang.
Die Reise von der Idee bis zur Eröffnung jetzt im Dezember hat mit Sicherheit einiges an Kraft und vor allem Ausdauer gekostet – was habt Ihr durch die Gründung und Eure Erfahrungen gelernt? Was ratet Ihr anderen Gründenden, die in Frankfurt ein eigenes Projekt starten möchten?
Björn: Eine unserer größten Hilfen ist es sicherlich, dass wir zu zweit sind. Dadurch konnten wir von Anfang Verantwortung teilen. Da wir uns schon vor dem Projekt gekannt haben, wussten wir relativ genau, welche Aufgaben für wen uns am besten geeignet sind. Es hat sich schnell herausgestellt, dass wir uns sehr gut ergänzen. Dafür sind wir dankbar. Natürlich ist aber nicht immer alles glatt gelaufen. Es gab einige Momente, da war eine Aussprache nötig, ein neues Strukturieren des Vorgehens. Hier haben wir uns schon früh darauf geeinigt, das wir offen miteinander sein müssen und das Kritik nicht persönlich genommen werden sollte. Und wir haben uns gegenseitig immer wieder bestärkt und uns unsere Überzeugung bewusst gemacht, dass wir hier ein tolles Projekt umsetzen. Dabei ist Ehrlichkeit wichtig.
Sven: Sehr hilfreich ist auch unsere Unternehmensberatung gewesen. Wir konnten somit das Projekt von Anfang an professionell aufziehen. Dies würden wir auch anderen Gründenden raten: Verteilt eure Ideen. Lasst euch ständig widerspiegeln, was funktionieren kann und was nicht. Wir haben viele dumme Ideen gehabt, die uns das Genick gebrochen hätten, wären die uns nicht aufgezeigt worden.
Professionelle und erfahrene Hilfe von Anfang an zu suchen , finden wir wichtig, besonders für Bereiche, in denen man sich selbst nicht auskennt. Wir konnten durch unsere Unternehmensberatung etwa schon zu Beginn ermitteln, ob unserer Idee auch aus wirtschaftlicher Sicht tragfähig ist. Das hat uns später bei der Vorsprache gegenüber Banken und Vermietern geholfen.
Auch ist Kreativität sicherlich sehr wichtig. Unser kreativer Prozess ist das Spinnen: Idee raus hauen, egal wie Absurd sie scheinen. Oft führen sie dann zu Ideen, die funktionieren können. Dabei haben wir auch gemerkt, dass wir für Ideen und Aufgaben flexibel sein müssen. Wir musste Ideen kurzfristig ändern, weil etwas nicht geklappt hat. Fehler aber als etwas Gutes zu sehen, hilft, die Situation zu verstehen und zu lösen. Wir schaffen es nicht, eine gerade Linie für die Wandfarbe abzukleben? Machen wir einfach einen Zick-Zack raus!
Björn: Nicht zuletzt ist es sicherlich das Wichtigste, dass man von seiner Idee überzeugt ist. Denn der Weg bis hier war lang und auch anstrengend. Gerade in den schwierigen Momenten war es stets hilfreich, wenn wir uns unsere finale Bar vor Augen geführt haben. Am besten, bei einer Runde an einem unserer Flipperautomaten.
Frankfurt bekommt viele neue Bars. Da ist viel Bewegung drin, Orte schließen und neue Bars werden wöchentlich eröffnet. Warum wird gerade die „Backstreet Bar, Alright!“ ein Ort, den man erlebt haben muss?
Sven: Die Backstreet Bar, Alright! bietet ein ein Barerlebnis, welches es so in der Umgebung derzeit nicht gibt. Flipperautomaten und Arcadeautomaten gibt es so gut wie gar nicht mehr in Kneipen und Gaststätten. Die Geräte stehen bei Privatpersonen im Keller, manche können in dafür gegründeten Museen und Vereinsheimen bespielt werden. Wir unterstützen solche Orte sehr, dennoch ist es eine andere Erfahrung. Denn häufig braucht es im Vorfeld eine Eintrittskarte, ein gebuchtes Zeitfenster.
Bei uns können die Geräte an dem Ort erlebt werden, für den sie bestimmt waren: in einer Bar. Mit Musik, Getränken und natürlich mit Münzeinwurf. In der Bar haben wir spezielle Tokens für die Geräte. Diese können an der Theke gekauft werden. Einfach vorbeikommen, Münzen einwerfen und los. Wir bringen mit der Backstreet Bar, Alright! eine Spielkultur mit Arcade- und Flipperautomaten nach Frankfurt. Eine Kultur, die in Deutschland nie wirklich groß gewesen und in den letzten Jahren fast vollständig verschwunden ist.
Björn: Da wir zwei ja Sozialarbeitende sind und die Bar gegründet haben, haben wir auch ein besonderes Auge darauf, einen Ort zu schaffen, an dem sich jeder Mensch wohlfühlen kann. Wir denken unser barrierefreies Konzept weiter und achten nicht nur auf physische, sondern auch auf psychische Barrierefreiheit. Das beginnt mit unserem barrierefreien WC und geht über ruhige Stunden, Unterstützung beim Bestellen, kostenlose Hygieneprodukte und mehr. Uns ist wichtig, in einem stetigen Austausch mit den Menschen zu sein. Wir suchen den Dialog, um unseren barrierefreien Ansatz stetig weiterzuentwickeln. Somit haben unsere Gäste auch die Möglichkeit, die Bar mitzugestalten.
Zuletzt möchten wir mit der Bar eine Bühne für Kunstschaffende entstehen lassen. Jam-Sessions und der Auftritt vom kleinen Musikgruppen werden möglich sein. Filmabende oder das gemeinsame Schauen von Videospiel-Events runden das kulturelle Programm ab. So ist stehts für Abwechslung gesorgt. Und wer möchte, kann auch selbst einmal die Möglichkeit ergreifen, vor Publikum aufzutreten. Wir sind eine Bar, die einen Mehrwert für alle haben soll. Mit und für unsere Gäste!
Am 13. Dezember ist endlich die Eröffnung und wir freuen uns darauf, endlich allen zeigen zu können, woran wir jetzt so lange gearbeitet haben.
Vielen Dank für das Interview mit Euch.
Die „Backstreet Bar, Alright!“ öffnet am 13. Dezember um 18 Uhr zum ersten Mal ihre Türen und bietet euch ein außergewöhnliches Barlerlebnis! Es ist eine kleine Zeitreise mit 90er Vibes und Flipperautomaten.
- Sven ist links auf dem Bild und Björn rechts und zusammen sind sie das Team hinter der „Backstreet Bar, Alright!“.
- Die Bar ist in der Ginnheimer Landstraße 172 in Frankfurt am Main.
- Und die Öffnungszeiten sind von Dienstag – Sonntag, immer von 18 – 2 Uhr. Montag bleibt die Bar geschlossen.
- Für aktuelle Infos folgt den beiden auf Instagram oder Facebook.
Mehr zu den beiden Gründern und der Retro-Bar findet ihr auf der Webseite.

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