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Interview mit Lucian Holtwiesche von anny zu hybriden Arbeitsmodellen

5 Fragen an Lucian Holtwiesche, CEO und Co-Founder von anny

Die Startup- und Unternehmer-Szene hat einiges zu bieten neben innovativen Startups, kreativen Coworking Spaces, auch Acceleratoren und spannende Unternehmerpersönlichkeiten. Damit ihr einen kleinen Einblick bekommt, was und wen es alles gibt, stellen wir euch immer wieder coole Persönlichkeiten aus der Szene vor.

DAS INTERVIEW/

Hallo Lucian, schön, dass Du die Zeit gefunden hast, uns einmal ein paar Fragen zu beantworten. Zuallererst stell Dich einfach kurz vor, wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Lucian Holtwiesche. Ich bin CEO und Co-Founder von anny. Wir entwickeln eine Plattform, mit der Unternehmen ihre Ressourcen digital organisieren und buchbar machen können, zum Beispiel Arbeitsplätze, Meetingräume oder Parkplätze. Hintergrund ist ein grundlegender Wandel der Arbeitswelt. Viele Unternehmen arbeiten heute mit hybriden Modellen, bei denen Mitarbeitende regelmäßig im Homeoffice sind. Gleichzeitig zahlen sie weiterhin hohe Mieten für Büroflächen, haben aber oft kaum Transparenz darüber, wie ihre Flächen tatsächlich genutzt werden. Häufig stehen Arbeitsplätze leer oder werden nur zeitweise genutzt. Genau hier setzt anny an. Unsere Plattform macht Ressourcen wie Arbeitsplätze, Meetingräume oder Parkplätze digital buchbar und schafft Transparenz darüber, wie Büros tatsächlich genutzt werden. Unternehmen können so besser verstehen, wann und wie ihre Flächen genutzt werden und ihre Büroorganisation entsprechend anpassen. Das hilft nicht nur bei der Planung, sondern ermöglicht es auch, vorhandene Flächen effizienter zu nutzen und Kosten zu reduzieren.

 
Homeoffice, hybride Arbeitsmodelle und Flexibilität sind gefragt, daher versuchen viele Unternehmen, moderne Modelle als Reaktion auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern anzubieten. Die meisten scheitern daran. Warum ist das so?

Viele Unternehmen tun sich schwer damit, Flexibilität einzuführen, weil sie die organisatorischen Voraussetzungen unterschätzen. Homeoffice oder Desk Sharing werden häufig als einzelne Maßnahme verstanden, nicht als Veränderung der Arbeitsorganisation. In der Praxis fehlt oft Transparenz darüber, wer wann im Büro ist und welche Arbeitsplätze verfügbar sind. Viele wissen daher nicht genau, welche Flächen ihre Mitarbeitenden tatsächlich nutzen. Ohne diese Informationen entstehen schnell Reibungsverluste. Flexibles Arbeiten funktioniert nur, wenn Unternehmen auch Transparenz über ihre Flächen und Ressourcen schaffen. Sonst wird aus Flexibilität schnell Chaos.

Man hört immer mehr Stimmen, dass flexible Arbeitsmodelle von Arbeitgebern und Politik umstritten sind. Gibt es daher einen Trend zur Rückkehr zu klassischen Bürolösungen? Wie produktiv sind flexible Arbeitsmodelle denn tatsächlich?

Ich sehe keinen echten Trend zurück zum klassischen Büro. Was wir eher beobachten, ist eine Phase der Neujustierung. Viele Unternehmen merken, dass völlige Freiheit ohne Struktur nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt. Deshalb entwickeln sich hybride Modelle weiter und werden gezielter gesteuert. Die Produktivität hängt stark davon ab, welche Art von Arbeit man betrachtet. Für konzentrierte Einzelarbeit funktioniert Homeoffice oft sehr gut. Für Zusammenarbeit, spontane Abstimmungen oder kreative Prozesse bleibt das Büro wichtig. Erfolgreiche Unternehmen versuchen deshalb nicht, das Büro abzuschaffen, sondern definieren klar, wofür sie es nutzen.
 

Und wie lässt sich das mit hohen Flächenkosten und steigenden Mieten vereinbaren?

Gerade steigende Mieten erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Büroflächen effizient zu nutzen. Gleichzeitig arbeiten viele Beschäftigte inzwischen regelmäßig im Homeoffice. Dadurch verändert sich der tatsächliche Flächenbedarf: Nicht mehr jeder Mitarbeitende benötigt dauerhaft einen festen Arbeitsplatz im Büro. Ein möglicher Ansatz ist deshalb der Einsatz flexibler Arbeitsplatzmodelle mit Buchungssystemen. Mitarbeitende reservieren sich nur dann einen Arbeitsplatz, wenn sie tatsächlich im Büro arbeiten möchten. Mehrere Personen können so denselben Arbeitsplatz zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Für Unternehmen kann das bedeuten, dass sie insgesamt weniger Bürofläche benötigen. Wenn weniger feste Arbeitsplätze vorgehalten werden müssen, lassen sich Flächen reduzieren und Mietkosten senken, ohne auf persönliche Zusammenarbeit im Büro verzichten zu müssen. Digitale Buchungssysteme machen dabei die Nutzung transparenter und helfen so dabei die Büroflächen effizienter zu organisieren.

Wie sieht modernes Arbeiten zukünftig aus Deiner Meinung nach? Welche Hebel gibt es, die flexible Modelle langfristig erfolgreich machen?

Langfristig wird Arbeit klar hybrid bleiben, das ist meine Einschätzung. Der entscheidende Punkt ist, Flexibilität mit Struktur zu verbinden. Unternehmen brauchen Transparenz über Nutzung, klare Regeln für Zusammenarbeit und digitale Werkzeuge, die Orientierung schaffen.

Desk Sharing und flexible Flächennutzung sind deshalb weniger ein kurzfristiger Trend als eine betriebswirtschaftliche Konsequenz aus veränderten Arbeitsmustern. Wer seine Flächen datenbasiert steuert, kann Kosten reduzieren und gleichzeitig bessere Arbeitsbedingungen schaffen.

Vielen Dank für das Interview mit Dir.

 


 

Lucian Holtwiesche ist einer der drei Gründer von anny und CEO. 

  • anny wird 2020 in Aachen gegründet und bietet ein All-in-One Buchungssystem für Unternehmen. Damit werden Workspace- sowie Besuchermanagement, aber auch Equipment Vermietung und Event- sowie Kurs- Ticketing wesentlicher einfacher.
  • Online-Buchungen und geteilte Ressourcen bekommen durch Corona Aufschwung, daher steigt die Nachfrage bei anny. 
  • 2022 eröffnet anny in Köln ein zweites Büro, denn mehr Kunden und mehr Umsatz erfordern ein weiteres Büro und ein größeres Team. 

Mehr zu den anny und ihrem flexiblen Buchungssystem für Arbeitsplätze & Co. auf der Webseite

 

Johanna Karl
Johanna Karl
info@johannakarl.com

Johanna Karl ist Ansprechpartnerin für den MEET/N/WORK Blog und Teil der Redaktion. Sie schreibt unter anderem für die JinnyJo Media GmbH. Für den MEET/N/WORK Blog ist Johanna immer an spannenden Themen rund um New Work und Coworking sowie an Trends aus der Arbeitswelt interessiert. Dabei interviewt sie regelmäßig spannende Persönlichkeiten aus der Unternehmerszene.

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