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5 Fragen an Speaker und Mentalcoach Michael von Kunhardt

Die Startup- und Unternehmer-Szene hat einiges zu bieten neben innovativen Startups, kreativen Coworking Spaces, auch Acceleratoren und spannende Unternehmerpersönlichkeiten. Damit ihr einen kleinen Einblick bekommt, was und wen es alles gibt, stellen wir euch immer wieder coole Persönlichkeiten aus der Szene vor. Dieses Mal mit Michael von Kunhardt.
 

DAS INTERVIEW/

 
Hallo Michael, schön, dass Du die Zeit gefunden hast, für uns einmal Rede und Antwort zu stehen. Zuallererst stell Dich einfach kurz vor, wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Michael von Kunhardt. Ich arbeite als Speaker, Mentalcoach und Autor mit dem Schwerpunkt mentale Stärke und Spitzenleistung. Bei meiner Arbeit begleite ich Profisportler, Nationalmannschaften und Olympiasieger ebenso wie internationale Unternehmen und DAX-40-Konzerne. Mein Ziel ist es, Führungskräfte, Coaches, Autoren und Privatpersonen mit klaren mentalen Strategien dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten und nachhaltig bessere Ergebnisse zu erzielen.

 
Thema Purpose ist mittlerweile das Mittel geworden, um Unternehmen attraktiver zu machen, und außerdem soll damit Mitarbeitenden und auch Gründenden ein Schutz vor Burn-out und Erschöpfung möglich sein. Studien zeigen aber, dass nicht Sinn, sondern erlebte Wirksamkeit entscheidend ist. Wie erklärst Du diesen Zusammenhang aus mentaler Sicht?

Wenn ich mentale Stärke mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es Selbstwirksamkeit. Sie macht es möglich, das eigene Potenzial wirklich auszuleben und dabei spürbare Wirkung zu entfalten. Selbstwirksamkeit sorgt dafür, dass das Leben sich erfüllt anfühlt. Es geht darum, zu merken, dass das, was gedacht und getan wird, wirklich etwas bewirkt. Für viele ist dieses Gefühl, etwas zu bewegen, wichtiger als der große Sinn – besonders, wenn der eigene Beitrag kaum sichtbar bleibt. Ein Beispiel: Jemand arbeitet in Hamburg bei einer Organisation, die sauberes Trinkwasser nach Somalia bringt. Die Mission ist riesig, aber wenn der Tag hauptsächlich aus Belegablage unter Zeitdruck besteht, verschwindet das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen, fast komplett. Sinn allein reicht nicht, spürbare Wirkung muss erlebbar sein.
 
Was bedeutet mentale Stärke im Arbeitsalltag konkret – und was sind Deine Tipps, wie lässt sie sich trainieren, ohne dass zusätzlicher Leistungsdruck entsteht?

Um mentale Stärke – also praktizierte Selbstwirksamkeit – wirklich zu leben, braucht es mehrere Dinge, die zusammenspielen. Dazu gehören Selbstbewusstsein im Sinne von Selbstklarheit, Selbstvertrauen, Mut, ein gesunder Anspruch, Resilienz, klare Visionen und Ziele ebenso wie die Fähigkeiten zur Spannungsregulierung, Konzentration und Fokus, Misserfolgstoleranz, Motivation, Optimismus und Dankbarkeit. Am Anfang steht für mich immer eine bewusste Entscheidung, also der feste Entschluss, wachsen zu wollen. Mentales Training erzeugt keinen zusätzlichen Leistungsdruck – eher das Gegenteil. Druck entsteht häufig dort, wo innere Sicherheit fehlt. Mit mentaler Stärke wächst Gelassenheit und damit auch Handlungsspielraum.

Ein guter Einstieg ist eine ehrliche Standortbestimmung. Zu wissen, wo der eigene Ausgangspunkt liegt, schafft Orientierung und Selbstbewusstsein. Der wichtigste Faktor für mentale Stärke und gelebte Selbstwirksamkeit bleibt dabei das Selbstvertrauen. Es entsteht durch eine gute Balance aus ambitionierten Zielen für die Zukunft und kleinen, erreichbaren Zielen im Alltag. Unterstützend wirken Mut, Entscheidungsfreude, das Übernehmen von Verantwortung und ganz konkret physisch auch eine aufrechte Körperhaltung. Atem- und Visualisierungsübungen helfen zusätzlich, Ruhe und Fokus aufzubauen.

Ein besonders zentraler Punkt ist die Misserfolgstoleranz, also die Bereitschaft, zu scheitern. Druck entsteht oft nicht durch hohe Erwartungen, sondern durch fehlende Erfahrung im Umgang mit Niederlagen. Wer weniger Angst vor dem Scheitern hat, handelt mutiger und bleibt entspannter. Genau deshalb halte ich es für wichtig, dass zum Beispiel die Bundesjugendspiele weitergeführt werden. Kinder sollten früh erfahren, dass das Leben aus Erfolg und Misserfolg besteht, und vor allem lernen, wie dem zu begegnen ist. Meist ist nicht der Rückschlag das eigentliche Problem, sondern der Umgang damit. Wer das früh lernt, reduziert später deutlich das Risiko, auszubrennen.

 
Was können wir aus dem Profisport lernen, denn Du hast mit vielen Sportlern gearbeitet? Wie geht man am besten mit Druck, Erschöpfung und auch mentaler Regeneration um?

Aus dem Profisport lässt sich vor allem eines lernen: Scheitern ist trainierbar. Athletinnen und Athleten verlieren regelmäßig und lernen früh, Niederlagen einzuordnen, daraus zu lernen und trotzdem mutig zu bleiben. Mentale Stärke entsteht genau dort – nicht durch
dauerhaften Erfolg, sondern durch den souveränen Umgang mit Rückschlägen. Wer weniger Angst vor dem Scheitern hat, handelt freier, entspannter und leistungsfähiger. Gleichzeitig ist Druck immer auch eine Frage der Interpretation. Der größte Hebel liegt darin, ein als negativ empfundenes Druckgefühl in die Chance einer interessanten Herausforderung zu übersetzen. Dieser Perspektivwechsel lässt sich trainieren, zum Beispiel durch Gedankenbeobachtung, positive Selbstsuggestion oder sogenannte Wenn-dann-Strategien: Wenn etwas heute nicht gelingt, wie gehe ich damit um und was kann ich daraus gewinnen? Trotzdem kommt es auch bei bester mentaler Vorbereitung
dazu, dass irgendwann alles zu viel wird. Dann hilft vor allem Bewegung, denn sie gilt als effektivstes Stressventil. Das Gegenteil davon wäre die Schockstarre, also innerlich einzufrieren. Ergänzend wirken mentale Ablenkung, bewusste Stille und ausreichender Schlaf. Besonders erholsam erweist sich Schlaf in 90-Minuten-Zyklen, zum Beispiel 6, 7 ½ oder 9 Stunden. Diese Routinen halten Körper und Kopf leistungsfähig – im Sport wie im Unternehmertum.
 
In vielen Fällen werden die ersten Anzeichen von Erschöpfung durch die Arbeit übersehen oder verdrängt. Woran lässt sich erkennen, dass es höchste Zeit wird gegenzusteuern – und was ist der erste und wichtigste Schritt, den wir dann
machen können?

Die ersten Warnsignale sind oft körperlich und emotional zugleich: müde Augen, ein verspannter Nacken oder Rücken, sinkende Konzentration, schnelle Gereiztheit. Genau diese kleinen Zeichen werden im Arbeitsalltag gern ignoriert. Dabei zeigen sie ziemlich
zuverlässig, dass eine Grenze erreicht ist. Als erste Maßnahmen reichen häufig schon kleine Veränderungen aus. Wer beispielsweise den ganzen Tag im Büro vor dem Bildschirm sitzt, kann bewusst für einen Wechsel im Moment sorgen – etwa durch Aufstehen, Bewegung, Abstand zum Monitor und den Blick in die Weite. Schon kurze Unterbrechungen – etwa alle 20 Minuten – helfen, das Nervensystem zu entlasten und wieder Klarheit zu gewinnen. Grundsätzlich gilt: Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch permanentes Durchhalten, sondern durch Abwechslung, neue Impulse und rechtzeitiges Gegensteuern.

Vielen Dank für das Interview mit Dir.

 


 

Michael von Kunhardt ist Speaker, Mentalcoach und Experte für Spitzenleistungen und mentale Stärke. Durch seine langjährige Erfahrung im Leistungssport, 15 Jahre Hockey-Bundesliga und seit 2025 Spieler der Senioren-Hockeynationalmannschaft, kann er auf zahlreiche selbst erlebte Situationen zurückgreifen und ist in seinem Ansatz besonders praxisnah: 

  • Er arbeitet mit Profisportlern, Nationalmannschafen und Olympiasigern, genauso wie mit internationalen Unternehmen.
  • Michael von Kunhardt hat eine Akademie gegründet, in der er Führungskräfte, angehende Speaker, Coaches und Autoren in ihrer Weiterentwicklung unterstützt. 
  • In seinem Podcast „Mentalgiganten – Für die Best-Zeit Deines Lebens“ gibt er regelmäßig Einblicke und Impulse.

Mehr zu Michael von Kunhardt auf seiner Webseite

 

Johanna Karl
Johanna Karl
info@johannakarl.com

Johanna Karl ist Ansprechpartnerin für den MEET/N/WORK Blog und Teil der Redaktion. Sie schreibt unter anderem für die JinnyJo Media GmbH. Für den MEET/N/WORK Blog ist Johanna immer an spannenden Themen rund um New Work und Coworking sowie an Trends aus der Arbeitswelt interessiert. Dabei interviewt sie regelmäßig spannende Persönlichkeiten aus der Unternehmerszene.

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